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ALS 2016 EIN STERN
AM BRETTSPIELHIMMEL EMPORSTIEG

Als Scythe 2016 erschien, gewann es die Kritiker und Brettspielfans auf der ganzen Welt für sich und gehört 2019 immer noch zu den beliebtesten Brettspielen unserer Zeit (BGG Liste). Scythe zog uns mit künstlerischen Zeichnungen vom Illustrator und Künstler Jacub Rozalski direkt in seinen Bann und gehört in meinen Augen zu den schönsten Brettspielen, die jemals herausgebracht wurden. Es verschafft mir das Gefühl, in einem Kunstmuseum zu spielen, in dem jede Spielkarte und die unterschiedlichen Spielertableaus Wandgemälde sind.  Die tolle Grafik wird durch das interessante Setting unterstützt. 

Denn es spielt in fiktiven 1920er Jahren, in denen Mechs die Fraktionen und Länder unterstützen, was Vergangenheit und Zukunft in einer erfundenen Welt vereint. Das Spielmaterial – sei es die normale Version oder die hochwertige Kickstarter-Variante – muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Dazu kommt der hohe Wiederspielwert, der durch viele unterschiedliche Fraktions- und Spielertableaus garantiert wird. Sie stellen die Spieler vor immer neue Herausforderungen und fühlen sich alle anders an.


Von Tim Billen

Gaming Wolves

In unserer Reihe Brettspiel-Duell werden wir für euch zwei Spiele miteinander vergleichen und ins Duell schicken, die

  • das gleiche Spielprinzip verfolgen bzw. eine
    vergleichbare, aber doch unübliche/neue Mechanik besitzen,
  • im selben Universum spielen oder das gleiche Thema behandeln,
  • als alte und neue Auflage eines Spiels interessante Unterschiede aufweisen.

Wir küren keine Sieger und Verlierer. Wir möchten euch durch eine Betrachtung zweier Spiele in verschiedenen Kategorien aufzeigen, wie die Duellanten sich dort präsentieren. Jeder hat bei einem Spiel andere Anforderungen, ob es zu ihm/ihr passt. Und hier wollen wir euch eine Entscheidungshilfe geben. Unsere Kategorien lauten wie folgt:

  • Aufmachung:
    Wie sind Gestaltung und Layout, wie präzise und ver-ständlich ist die Anleitung, wie sieht es mit der Qualität des Spielmaterials aus und gibt es vielleicht auch ein durchdachtes Inlay?
  • Spielgefühl:
    Wie ist die Mechanik, wie gut rollt der Spielfluss, ist das Spiel zu komplex oder zu einfach und wie sieht es ei-gentlich mit der Originalität aus?
  • Spielreiz:
    Wie gut lässt sich die Spieleranzahl variieren, wie hoch sind der Wiederspielwert und der generelle Spielspaß?
  • Interaktion:
    Wie interaktiv spielt man mit- oder gegeneinander?

In der heutigen Ausgabe gibt es eine weitere Kategorie: Technische Hilfsmittel.

DAS BRETTSPIEL-DUELL

WARUM DIESE BEIDEN DUELLANTEN?

Detective und Chronicles of Crime sind zwei Deduktions-spiele mit kriminalistischem Setting. Beide sind in der modernen Zeit angesiedelt und 2018 erschienen. Doch vor allem haben sie eines gemeinsam: Beide benötigen tech-nische Hilfsmittel, um spielbar zu sein. Die Spiele gehen sehr unterschiedliche Wege in der Realisierung, dennoch sind wir der Meinung, dass ein Vergleich nicht nur möglich, sondern auch angebracht ist.

Das Cover von Detective spiegelt den Krimi- und Thriller-Faktor, den das Spiel einfangen will, sehr gut wider. Mit den dunklen Blautönen und der sachlich-kühlen Typografie, die leicht zu leuchten scheint, fängt man passend den Stil von Krimiserien aus den 90ern und 2000ern ein. Insbesondere durch die Schriftart hatte ich sofort Erinnerungen an das Logo von „Law and Order“. Der Autotunnel auf dem Cover und die leicht verschwommene Darstellung gepaart mit den Alarmleuchten der Einsatzfahrzeuge fängt das generelle Thema Krimi stilecht ein, passt in meinen Augen aber nur bedingt zur Gesamt-geschichte des Spiels. Alle Grafiken und Abbildungen des Spiels sind reale Fotografien (es sei denn es dreht sich explizit um grafische Darstellungen wie E-Mails oder Ähnliches), was zum grafischen Gesamtkonzept des Spiels passt.

Das kleine handliche Spielbrett ist seiner Funktion als reiner Orts- und Zeitanzeiger entsprechend angemessen detailliert gestaltet, auch die Tableaus für die Ermittler und Berater sind anschaulich und übersichtlich genug. Ansonsten besitzt das Spiel noch drei Holzmarker für das Spielbrett (Stoppuhr für die Zeit und Fahrzeug für den Aufenthaltsort des Teams, was der Tagesmarker darstellen soll, ist mir leider nie klar geworden), Behörden-, Stress-, verbrauchte Talente- und Spezialplättchen sowie Marker für die zur Verfügung stehenden Fertigkeiten.

Das Herzstück bilden die fünf Kartendecks für die Fälle. Diese sind in einem ebenso kühlen und klaren Stil gehalten wie der Rest des Spielmaterials und dienen dazu, die Geschichte des Spiels voranzutreiben. Die Karten enthalten den Flavour-Text und ab und an Grafiken, Fotos oder andere Abbildungen. Die Karten sind sehr klar strukturiert, nur leider ist der Text oftmals sehr klein bzw. die Textfarbe in Kombination mit dem Hintergrund eher unglücklich. Den Abschluss bilden das Regelheft und das Fallbuch. Beide sind sehr verständlich geschrieben, sind in ihren Erklärungen zu den allgemeinen und fallbezogenen Regeln aber manchmal etwas langatmig.

Das Inlay ist praktisch gestaltet und bietet eigene Kammern für jedes Falldeck. Für Plättchen und Marker stehen ausreichend Plastiktütchen zur Verfügung.

AUFMACHUNG
detective
AUFMACHUNG
chronicles of chrime

Viel eindringlicher kann man von einem Cover nicht auf das Thema eines Spiels hingewiesen werden. Wir sind Ermittler und müssen Kriminalfälle lösen. Schon die Packung gibt uns einen Ausblick auf die Gestaltung des Spielmaterials. Der vage an alte Film-Noir-Streifen erinnernde Comicstil ist im Spiel allgegen-wärtig und wird konsequent und passend durchgezogen. Es liegt gefühlt über allen Grafiken immer ein ganz dezenter Sepia-Filter. Die Schriftart des Covers könnte genauso gut von einer Graphic Novel stammen und passt zur figurativen Emotionalität, die im gesamten Spiel aufgebaut wird. Der Comicstil des Covers kann aber auch in die Irre führen und zu einem Kauf für jüngere Ermittlerinnen und Ermittler anregen.

Viel Spielmaterial gibt es nicht, aber was zur Verfügung steht, ist ausreichend und auf den Punkt. Es gibt einen Hinweis-Spielplan, der dafür benötigt wird, gesammelte Hinweise ab-zulegen, nicht gefundene Personen festzuhalten und entdeckte Orte anzulegen. Die Ortskarten bieten allesamt einen kurzen szenischen Ausblick auf die Lokalität und Felder für dort befindliche Personen. Etwas dickerer Karton hätte den Orts-karten gutgetan. Bei den Hinweis- und Personenkarten hat man sich in der Gestaltung auf das wesentliche konzentriert und alle Karten universell nutzbar designt. Die Personenzeichnungen sind großartig gemalt und variieren zwischen angenehm verwechselbaren Charakteren und durchaus sehr bizarren Gestalten. Hier wiederum haben wir eine schöne Griffigkeit des Kartons. Zu guter Letzt finden wir in der Schachtel noch die forensischen Kontakte (Hacker, Wissenschaftlerin, Arzt und Kriminologe), die im Spiel als ständige Helfer fungieren.

Die Anleitung erklärt nur die Grundprinzipien des Spiels und überlässt den Rest dem gut durchdachten In-App-Tutorial. Die wenigen Punkte, die in der Anleitung beschrieben werden, sind präzise, leicht verständlich und passend bebildert.

Wirklich gut durchdacht ist das Inlay, welches nicht nur passgenau für alle Komponenten einen klar zugeordneten Platz liefert, sondern auch Aussparungen für Spielmaterial der bereits erschienenen Erweiterungen und für die optional erhältliche VR-Brille bereithält. Hier wurde definitiv mitgedacht.

Detective bietet neben dem Einstiegsfall, der die Spielprinzipien näherbringen soll, eine große, sich über fünf Fälle erstreckende Kampagne. Alle Fälle werden für sich selbst betrachtet gelöst und führen nach Beenden des Kapitels zu einem Ergebnis. Doch das große Ganze schwebt immer mit. Für jedes Einzelkapitel sollte man schon zwischen zwei und drei Stunden einplanen. Die Spielzeit wird sehr stark durch das Vorlesen der Ereignisse bestimmt und durch die Beratung in der Gruppe, wie die nächsten Schritte auszusehen haben. Das Spiel hat durchaus seine etwas gestreckt wirkenden Phasen, diese halten sich aufgrund der Tiefe der Geschichte aber im Rahmen. Durch die stetigen Beratungen und das Brüten über Hinweise vergisst man gerne einmal die Zeit.

Am Anfang eines jeden Kapitels wird im Fallbuch das Kapitelziel genannt sowie die Tage, die dem Ermittlerteam zur Verfügung stehen. Jeder Tag in Detective hat acht reguläre Arbeitsstunden, mit der Möglichkeit Überstunden zu machen. Überstunden erzeugen jedoch Stress, der durch die Stres-smarker festgehalten wird. Jedes Kapitel gibt eine maximale Menge an Stress vor, die nicht erreicht oder überschritten werden darf, da man ansonsten sofort versuchen muss den Fall zu lösen.

An jedem Tag stehen dem Team verschiedene Aktionen zur Verfügung wie „einer Spur folgen“, „die Datenbank durch-suchen“, „den Ort wechseln“, „Talente oder Fertigkeiten eins-etzen“ und viele mehr. Wieviel Zeit die Aktionen verbrauchen, ergibt sich immer erst dann, wenn die entsprechende Karte gezogen wurde. Das Spiel selbst ist wie ein Abenteuerbuch aufgebaut und gibt Anweisungen wie: „Möchtest du XY befragen, lies Karte #303“. Sollte man einer sehr heißen Spur gefolgt sein, wird man oft mit Behördenplättchen belohnt, die für Talente oder andere weiterführende Untersuchungen not-wendig sind. Hier hat man einen guten Weg gefunden, der Gruppe mitzuteilen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Am Ende eines jeden Kapitels erhält man die Chance in einem simulierten Gespräch mit dem Vorgesetzten über Multiple-Choice-Fragen den Fall abzuschließen und sich seine Punktzahl abzuholen.

SPIELGEFÜHL
detective

Bei Chronicles of Crime haben wir viele verschiedene Fälle zur Auswahl. Diese reichen vom kurzen Tutorial-Fall über einzelne Episoden bis hin zu zusammenhängenden Kapiteln. Jeder Fall hat am Ende eine eindeutige Lösung, die es zu finden gilt. Die einzelnen Fälle dauern zwischen einer und zwei Stunden und spielen sich meist sehr flüssig. Leider nur meist, da das Spiel davon lebt, dass die einzelnen Elemente wie Personen, Orte oder Hinweise per App und QR-Codes gescannt werden müssen und sich dann erst die Texte und Geschichten offen-baren. Hier kann es für diejenigen, die ohne Smartphone „nur mitspielen“ zu kleinen Pausen kommen, die sich allerdings meistens recht kurz halten. Das Kooperative bleibt manchmal ein wenig auf der Strecke, da sich oftmals die Rollenverteilung „QR-Code Scanner und Erzähler“ sowie „Ermittler und Denker“ ergibt. Hier muss sich die Gruppe selbst disziplinieren.

Vor jedem Fall wird das Spielbrett ausgebreitet und der Startort ausgelegt. In der App wird dann der zu spielende Fall aus-gewählt und wir werden durch den restlichen Aufbau (sofern nötig) geführt. Anschließend besteht das Spiel eigentlich nur noch aus dem Scannen des QR-Codes und dem Überlegen, welcher Code als nächster gescannt wird. Wenn wir zum Beispiel eine Zeugin zu einem bestimmten Thema verhören wollen, müssen wir ihre Personenkarte und anschließend die Person oder den Hinweis scannen, zu dem befragt werden soll. Wir wollen den Ort wechseln? QR-Code scannen. Das klingt jetzt negativer formuliert und spielerisch repetitiver als es sich tatsächlich darstellt, aber so funktioniert Chronicles of Crime.

Eine schöne Abwechslung bieten die gelegentlich eingestreuten Möglichkeiten, an gewissen Orten nach Hinweisen zu fahnden. Hierbei startet in der App ein kleiner Countdown, bevor man in eine 360-Grad-Szenerie geworfen wird, um nach Auffälligkeiten und Hinweisen zu suchen. Diese Hinweise kann man anschließend in den sehr allgemein gehaltenen Hinweiskarten wiederfinden (zum Beispiel wenn man ein Stück Kuchen gesehen hat, sucht man nach der Karte „Lebensmittel“). Das Betrachten der Szene ist auch per VR-Brille möglich – ein gut gemachtes und nettes Gimmick. Jeder Scan verbraucht unter-schiedlich viel Zeit. Manche Ereignisse treten immer nur zu einer bestimmten Uhrzeit ein oder manche Personen sind erst ab einer gewissen Zeit an einem Ort verfügbar. Wie viel Zeit man für die einzelnen Fälle hat, ist nicht immer klar formuliert.

Um den jeweiligen Fall zu lösen, muss sich die Gruppe zum Startort begeben. Dort kann man auf „Fall aufklären“ klicken, um die Abschlussfragen zu beantworten. Auch das geschieht per QR-Code-Scan. Am Ende der Befragung erhält man entweder seine Abschlusspunktzahl oder den Hinweis, noch etwas weiter zu ermitteln, da man zu deutlich von der korrekten Lösung entfernt ist.

SPIELGEFÜHL
chronicles of crime

Die Geschichte von Detective ist von Beginn an äußerst spannend und fesselnd. Die Zusammenhänge, die entstehen, geben immer wieder einen Anreiz tiefer zu bohren. Die Handlungsstränge sind sehr detailliert beschrieben. Manchmal dermaßen detailliert, dass bei einem einzelnen Vorleser Heiserkeit einsetzen könnte. Immer wieder werden reale Orte besucht oder Bezug auf historische Ereignisse genommen, was das Eintauchen in die Spielwelt von Detective nicht nur vereinfacht, sondern quasi erzwingt. Den Spielerinnen und Spielern wird eine Kriminalgeschichte präsen-tiert, die man sich genauso als Serie auf Netflix und Konsorten vorstellen könnte. Detective ist mit einem bis fünf Ermittlern spielbar. Alleine ist das Spiel aufgrund der vielen verschiedenen Zweige und Handlungsstränge, die eingeschlagen werden, nicht zu empfehlen.

Vielmehr sollte man das Spiel in der Gruppe spielen und vorab verschiedene Rollen festlegen, sodass es beispielsweise einen Spieler für das Erstellen der Mind-Maps, eine Spielerin für Faktenchecks und einen Erzähler gibt. Aber das nur als Empfehlung.

Der Wiederspielwert geht bei Bestehen der Fälle leider quasi gegen Null. Wenn man die Zusammenhänge einmal zumindest grob überblickt hat, ist viel der Entdeckermagie verloren. Dafür erhält man einen spannenden interaktiven Kriminalroman. Allerdings ist es jederzeit möglich, das Spiel bedenkenlos zu verkaufen, da kein Spielmaterial zerstört, bemalt oder sonstwie unbespielbar gemacht wird. Im Laufe von 2019 soll mit „LA Crimes die erste Erweiterung folgen.

SPIELREIZ
detective

In meiner ersten Einschätzung über die Richtung der Fälle von Chronicles of Crime konnte ich nicht weiter daneben liegen, als ich es nach Betrachtung der Grafiken und Spielen des einigermaßen harmlosen Einstiegsfalls tat. Mord, Kindes-entführung, Erpressung und Organhandel sind nur einige der Themen, die in den unterschiedlichen Fällen thematisiert werden. Die einzelnen Story-Segmente werden in kurzen Textfeldern in der App wiedergegeben und sorgen für Kurzweil beim Vorlesen. Allerdings schaffte es das Spiel durch eben jenes nicht ganz stimmige Zusammenspiel von Grafik und der oftmals ange-wendeten textlichen „Härte“ nicht immer, dass ich mich in der Geschichte verlor. Das wird den klug durchdachten und an-schaulich geschriebenen Geschichten leider nicht so gerecht, wie diese es verdient hätten.

Chronicles of Crime ist für einen bis vier Spieler gedacht, wobei es sich nicht erschließt, warum bei vier Spielern Schluss sein soll. Natürlich würde das Spiel durch mehr Diskussionen und durch mehr Augenpaare bei der Aktion „Nach Hinweisen suchen“ in die Länge gezogen.

Daher kann die Zahl Vier hier eigentlich nur eine Empfehlung sein. Generell kann ich mir Chronicles of Crime auch sehr gut als Solospiel vorstellen. Man erspart sich das Vorlesen der Texte und das Herumreichen der App, verzichtet allerdings auch auf die Gedankenspiele anderer Personen.

Ist ein Fall erst einmal abgeschlossen, ist er auch wirklich beendet und ein erneutes Spielen scheint wenig sinnvoll zu sein. Doch Chronicles of Crime bietet fortlaufend immer neue Szenarien zum (kostenpflichtigen) Download, auch einige Erweiterungen sind erhältlich oder in Arbeit. Zusätzlich wurde Anfang Februar der „Community Editor“ zum Download zur Verfügung gestellt, der es der äußerst aktiven Community ermöglicht, eigene Fälle zu schreiben und diese zur Verfügung zu stellen. Hier ist das Konzept mit den sehr allgemein gehaltenen Hinweisen, Personen et cetera voll aufgegangen und bietet einen hohen Anreiz, das Spiel immer wieder auf den Tisch zu holen.

SPIELREIZ
Chronicles of Crime
TECHNISCHE HILFSMITTEL
detective

Das einzigartige Spielelement und das heimliche Herzstück von Detective ist die Antares-Datenbank. Das ist eine abrufbare Webseite, die der Spielgruppe nach Eingabe der Zugangsdaten Zugriff auf einen simulierten Polizeirechner gibt. Hier werden die Akten der Verdächtigen oder der Zeugen gesucht und gespeichert, man führt Vergleiche von Fingerabdrücken durch oder schaut sich Aufzeichnungen alter Akten oder Verhöre an. Zusätzlich werden zu Beginn eines jeden neuen Kapitels mit einem kurzen Einleitungsvideo die Geschehnisse des vorangegangenen Falls noch einmal in Erinnerung gerufen.

Es macht sehr viel Spaß, die Akten und Daten in der Antares-Datenbank aufzuspüren und zu durchleuchten. Leider wird der Spaß dadurch getrübt, dass die Datenbank eine ständige Verbindung mit dem Internet erfordert. Das sollte zwar bei Spielrunden kein Problem darstellen, an einem Samstagabend mit viel Internetnutzung der Nachbarn kann das System aber durchaus mal in die Knie gehen.

TECHNISCHE HILFSMITTEL
CHRONICLES OF CRIME

Chronicles of Crime lebt von seiner App und dem Scannen von QR-Codes. Und Lucky Duck Games hat fähige Entwickler an die App gesetzt. Sie läuft flüssig, ist klar und verständlich strukturiert und hat in meiner Spielgruppe keine Abstürze oder andere Bugs erkennen lassen. Lediglich die Möglichkeit beim „Nach Hinweisen suchen“ andere Geräte an der Ansicht teilhaben zu lassen, hat nicht funktioniert, hier möchte ich eigenes menschliches Versagen aber nicht ausschließen. Das Scannen der QR-Codes ging schnell und bereitete selbst bei suboptimalen Lichtverhältnissen keine Probleme. Wenn man überhaupt irgendetwas bemängeln könnte, wäre es die manchmal etwas holprige Menüführung durch die Einstellungen. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau.

interaktion
Chronicles of Crime

Chronicles of Crime liefert viel Stoff für Diskussionen und Überlegungen in der Gruppe. Da aber immer nur eine Person das Gerät mit der App in Benutzung haben kann, muss man aufpassen, dass es nicht dazu kommt, dass der „App-Master“ zum Alleinunterhalter oder zum „Werkzeug“ der anderen Spieler wird. Wenn die Disziplin hierfür gegeben ist, entwickeln sich spannende Gespräche in der Gruppe wie fortgefahren werden muss.

interaktion
detective

Bei Detective wird viel miteinander geredet. Sehr viel. Und das ist auch das, was dem Spiel seinen Reiz gibt. Man tauscht Gedanken aus, hilft einander bei Denkblockaden und bespricht die nächsten Schritte. Das Spiel vermittelt einem dauerhaft das Gefühl, eine Gruppe zu sein, die sich gegenseitig braucht. Da jeder Spieler und jede Spielerin einen Charakter mit speziellen Fähigkeiten und Talenten spielt, ist es nicht unüblich, dass aus dem Nichts ein „Kann meine Fähigkeit hier nicht helfen?“ die Gruppe wieder auf die richtige Bahn bringt.

tipps
detective

Legt euch eine Mind-Map an. Die Verstrickungen des Spiels sind dermaßen vielfältig, dass man sehr schnell einzelne Verbindungen aus den Augen verliert. Kostenlose Mind-Map-Editoren wie draw.io sind eine große Hilfe. Wir hatten auch eine Excel-Liste mit allen Personen und deren Daten aus der Antares-Datenbank angelegt, um sie gebündelt untereinander stehen zu haben. Wer richtig „klotzen“ will, besorgt sich die Mini-Erweiterung mit 30 Charakter-Portraits. Hier liefert Portal Games 30 Karten mit allen in der Geschichte vorkommenden Personen und einer beschreibbaren Rückseite für Notizen.

tipps
Chronicles of Crime

Die angesprochene kleine Schwäche der App, dass nur der Halter des Smartphones wirklich Zugriff auf die Aussagen der Personen oder Beschreibungen der Ereignisse hat, konnte meine Spiel-gruppe gut kaschieren, indem wir den Bildschirm des Smart-phones auf einem Fernseher gespiegelt haben. So konnten alle verfolgen, was geschieht.

Ich hoffe, euch wurde ein guter Überblick über die Attribute der beiden Duellanten an die Hand gegeben. Eine wirkliche Kaufempfehlung kann ich nicht aus-sprechen, da man bei beiden Spielen nichts falsch macht; lediglich persönliche Präferenzen sollten hier den Ausschlag geben, wenn man sich nicht einfach beide zulegt.

Dennoch reden wir hier von einem Duell, daher nun meine Einschätzung zum jeweiligen Gewinner in den oben beschriebenen Kategorien:

letzte worte

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aufmachung
SPIELGEFÜHL
SPIELREIZ
INTERAKTION
TECHNISCHE
HILFSMITTEL

Finde heraus, welches Spiel im Brettspiel-Duell
in den jeweiligen Kategorieren den Sieg errungen hat.
 Dafür klicke einfach die Fragezeichen an.

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Rezension von Tim Billen
Gaming Wolves

DAS BRETTSPIEL-DUELL

In unserer Reihe Brettspiel-Duell werden wir für euch zwei Spiele miteinander vergleichen und ins Duell schicken, die

  • das gleiche Spielprinzip verfolgen bzw. eine
    vergleichbare, aber doch unübliche/neue Mechanik besitzen,
  • im selben Universum spielen oder das gleiche Thema behandeln,
  • als alte und neue Auflage eines Spiels interessante Unterschiede aufweisen.

Wir küren keine Sieger und Verlierer. Wir möchten euch durch eine Betrachtung zweier Spiele in verschiedenen Kategorien aufzeigen, wie die Duellanten sich dort präsentieren. Jeder hat bei einem Spiel andere An-forderungen, ob es zu ihm/ihr passt. Und hier wollen wir euch eine Entscheidungshilfe geben. Unsere Kategorien lauten wie folgt:

  • Aufmachung:
    Wie sind Gestaltung und Layout, wie präzise und ver-ständlich ist die Anleitung, wie sieht es mit der Qualität des Spielmaterials aus und gibt es vielleicht auch ein durchdachtes Inlay?
  • Spielgefühl:
    Wie ist die Mechanik, wie gut rollt der Spielfluss, ist das Spiel zu komplex oder zu einfach und wie sieht es ei-gentlich mit der Originalität aus?
  • Spielreiz:
    Wie gut lässt sich die Spieleranzahl variieren, wie hoch sind der Wiederspielwert und der generelle Spielspaß?
  • Interaktion:
    Wie interaktiv spielt man mit- oder gegeneinander?

In der heutigen Ausgabe gibt es eine weitere Kategorie: Technische Hilfsmittel.

WARUM DIESE BEIDEN DUELLANTEN?

Detective und Chronicles of Crime sind zwei Deduktions-spiele mit kriminalistischem Set-ting. Beide sind in der modernen Zeit an-gesiedelt und 2018 erschienen. Doch vor allem haben sie eines gemeinsam: Beide benötigen tech-nische Hilfsmittel, um spielbar zu sein. Die Spiele gehen sehr unterschiedliche Wege in der Realisierung, dennoch sind wir der Meinung, dass ein Vergleich nicht nur möglich, sondern auch angebracht ist.

detective

Das Cover von Detective spiegelt den Krimi- und Thriller-Faktor, den das Spiel einfangen will, sehr gut wider. Mit den dunklen Blautönen und der sachlich-kühlen Typografie, die leicht zu leuchten scheint, fängt man passend den Stil von Krimiserien aus den 90ern und 2000ern ein. Insbesondere durch die Schriftart hatte ich sofort Erinnerungen an das Logo von „Law and Order“. Der Autotunnel auf dem Cover und die leicht verschwommene Darstellung gepaart mit den Alarmleuchten der Einsatzfahrzeuge fängt das generelle Thema Krimi stilecht ein, passt in meinen Augen aber nur bedingt zur Gesamt-geschichte des Spiels. Alle Grafiken und Abbildungen des Spiels sind reale Fotografien (es sei denn es dreht sich explizit um grafische Darstellungen wie E-Mails oder Ähnliches), was zum grafischen Gesamtkonzept des Spiels passt.

Das kleine handliche Spielbrett ist seiner Funktion als reiner Orts- und Zeitanzeiger entsprechend angemessen detailliert gestaltet, auch die Tableaus für die Ermittler und Berater sind anschaulich und übersichtlich genug. Ansonsten besitzt das Spiel noch drei Holzmarker für das Spielbrett (Stoppuhr für die Zeit und Fahrzeug für den Aufenthaltsort des Teams, was der Tagesmarker darstellen soll, ist mir leider nie klar geworden), Behörden-, Stress-, verbrauchte Talente- und Spezialplättchen sowie Marker für die zur Verfügung stehenden Fertigkeiten.

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chronicles of chrime

Viel eindringlicher kann man von einem Cover nicht auf das Thema eines Spiels hingewiesen werden. Wir sind Ermittler und müssen Kriminalfälle lösen. Schon die Packung gibt uns einen Ausblick auf die Gestaltung des Spielmaterials. Der vage an alte Film-Noir-Streifen erinnernde Comicstil ist im Spiel allgegenwärtig und wird konsequent und passend durchgezogen. Es liegt gefühlt über allen Grafiken immer ein ganz dezenter Sepia-Filter. Die Schriftart des Covers könnte genauso gut von einer Graphic Novel stammen und passt zur figurativen Emotionalität, die im gesamten Spiel aufgebaut wird. Der Comicstil des Covers kann aber auch in die Irre führen und zu einem Kauf für jüngere Ermittlerinnen und Ermittler anregen.

Viel Spielmaterial gibt es nicht, aber was zur Verfügung steht, ist ausreichend und auf den Punkt. Es gibt einen Hinweis-Spielplan, der dafür benötigt wird, gesammelte Hinweise ab-zulegen, nicht gefundene Personen festzuhalten und entdeckte Orte anzulegen. Die Ortskarten bieten allesamt einen kurzen szenischen Ausblick auf die Lokalität und Felder für dort befindliche Personen. Etwas dickerer Karton hätte den Orts-karten gutgetan. Bei den Hinweis- und Personenkarten hat man sich in der Gestaltung auf das wesentliche konzentriert und alle Karten universell nutzbar designt. Die Personenzeichnungen sind großartig gemalt und variieren zwischen an-genehm verwechselbaren Charakteren und durch-aus sehr bizarren Gestalten. Hier wiederum haben wir eine schöne Griffigkeit des Kartons. Zu guter Letzt finden wir in der Schachtel noch die forensischen Kontakte (Hacker, Wissenschaftlerin, Arzt und Kriminologe), die im Spiel als ständige Helfer fungieren.

detective

Detective bietet neben dem Einstiegsfall, der die Spielprinzipien näherbringen soll, eine große, sich über fünf Fälle erstreckende Kampagne. Alle Fälle werden für sich selbst betrachtet gelöst und führen nach Beenden des Kapitels zu einem Ergebnis. Doch das große Ganze schwebt immer mit. Für jedes Einzelkapitel sollte man schon zwischen zwei und drei Stunden einplanen. Die Spielzeit wird sehr stark durch das Vorlesen der Ereignisse bestimmt und durch die Beratung in der Gruppe, wie die nächsten Schritte aus-zusehen haben. Das Spiel hat durchaus seine etwas gestreckt wirkenden Phasen, diese halten sich aufgrund der Tiefe der Geschichte aber im Rahmen. Durch die stetigen Beratungen und das Brüten über Hinweise vergisst man gerne einmal die Zeit.

Am Anfang eines jeden Kapitels wird im Fallbuch das Kapitelziel genannt sowie die Tage, die dem Ermittlerteam zur Verfügung stehen. Jeder Tag in Detective hat acht reguläre Arbeitsstunden, mit der Möglichkeit Überstunden zu machen. Über-stunden erzeugen jedoch Stress, der durch die Stressmarker festgehalten wird. Jedes Kapitel gibt eine maximale Menge an Stress vor, die nicht erreicht oder überschritten werden darf, da man ansonsten sofort versuchen muss den Fall zu lösen.

An jedem Tag stehen dem Team verschiedene Aktionen zur Verfügung wie „einer Spur folgen“, „die Datenbank durchsuchen“, „den Ort wechseln“, „Talente oder Fertigkeiten einsetzen“ und viele mehr. Wieviel Zeit die Aktionen verbrauchen, ergibt sich immer erst dann, wenn die entsprechende Karte gezogen wurde. Das Spiel selbst ist wie ein Abenteuerbuch aufgebaut und gibt Anweisungen wie: „Möchtest du XY befragen, lies Karte #303“. Sollte man einer sehr heißen Spur gefolgt sein, wird man oft mit Behördenplättchen belohnt, die für Talente oder andere weiterführende Untersuchungen not-wendig sind. Hier hat man einen guten Weg gefunden, der Gruppe mitzuteilen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Am Ende eines jeden Kapitels erhält man die Chance in einem simulierten Gespräch mit dem Vorgesetzten über Multiple-Choice-Fragen den Fall abzuschließen und sich seine Punktzahl abzuholen.

SPIELGEFÜHL
SPIELGEFÜHL
chronicles of crime

Bei Chronicles of Crime haben wir viele verschiedene Fälle zur Auswahl. Diese reichen vom kurzen Tutorial-Fall über einzelne Episoden bis hin zu zusammenhängenden Kapiteln. Jeder Fall hat am Ende eine eindeutige Lösung, die es zu finden gilt. Die einzelnen Fälle dauern zwischen einer und zwei Stunden und spielen sich meist sehr flüssig. Leider nur meist, da das Spiel davon lebt, dass die einzelnen Elemente wie Personen, Orte oder Hinweise per App und QR-Codes gescannt werden müssen und sich dann erst die Texte und Geschichten offen-baren. Hier kann es für diejenigen, die ohne Smartphone „nur mitspielen“ zu kleinen Pausen kommen, die sich allerdings meistens recht kurz halten. Das Kooperative bleibt manchmal ein wenig auf der Strecke, da sich oftmals die Rollenverteilung „QR-Code Scanner und Erzähler“ sowie „Ermittler und Denker“ ergibt. Hier muss sich die Gruppe selbst disziplinieren.

Vor jedem Fall wird das Spielbrett ausgebreitet und der Startort ausgelegt. In der App wird dann der zu spielende Fall ausgewählt und wir werden durch den restlichen Aufbau (sofern nötig) geführt. Anschließend besteht das Spiel eigentlich nur noch aus dem Scannen des QR-Codes und dem Überlegen, welcher Code als nächster gescannt wird. Wenn wir zum Beispiel eine Zeugin zu einem bestimmten Thema verhören wollen, müssen wir ihre Personenkarte und anschließend die Person oder den Hinweis scannen, zu dem befragt werden soll. Wir wollen den Ort wechseln? QR-Code scannen. Das klingt jetzt negativer formuliert und spielerisch repetitiver als es sich tatsächlich darstellt, aber so funktioniert Chronicles of Crime.

Eine schöne Abwechslung bieten die gele-gentlich eingestreuten Möglichkeiten, an ge-wissen Orten nach Hinweisen zu fahnden. Hierbei startet in der App ein kleiner Countdown, bevor man in eine 360-Grad-Szenerie geworfen wird, um nach Auffälligkeiten und Hinweisen zu suchen. Diese Hinweise kann man anschließend in den sehr allgemein gehaltenen Hinweiskarten wiederfinden (zum Beispiel wenn man ein Stück Kuchen gesehen hat, sucht man nach der Karte „Lebensmittel“). Das Betrachten der Szene ist auch per VR-Brille möglich – ein gut gemachtes und nettes Gimmick. Jeder Scan verbraucht unter-schiedlich viel Zeit. Manche Ereignisse treten immer nur zu einer bestimmten Uhrzeit ein oder manche Personen sind erst ab einer gewissen Zeit an einem Ort verfügbar. Wie viel Zeit man für die einzelnen Fälle hat, ist nicht immer klar formuliert.

Um den jeweiligen Fall zu lösen, muss sich die Gruppe zum Startort begeben. Dort kann man auf „Fall aufklären“ klicken, um die Abschlus-sfragen zu beantworten. Auch das geschieht per QR-Code-Scan. Am Ende der Befragung erhält man entweder seine Abschlusspunktzahl oder den Hinweis, noch etwas weiter zu ermitteln, da man zu deutlich von der korrekten Lösung entfernt ist.

detective

Die Geschichte von Detective ist von Beginn an äußerst spannend und fesselnd. Die Zusammenhänge, die entstehen, geben immer wieder einen Anreiz tiefer zu bohren. Die Hand-lungsstränge sind sehr detailliert beschrieben. Manchmal dermaßen detailliert, dass bei einem einzelnen Vorleser Heiserkeit einsetzen könnte. Immer wieder werden reale Orte besucht oder Bezug auf historische Ereignisse genommen, was das Eintauchen in die Spielwelt von Detective nicht nur vereinfacht, sondern quasi erzwingt. Den Spielerinnen und Spielern wird eine Krimi-nalgeschichte präsentiert, die man sich genauso als Serie auf Netflix und Konsorten vorstellen könnte. Detective ist mit einem bis fünf Ermittlern spielbar. Alleine ist das Spiel aufgrund der vielen verschiedenen Zweige und Handlungsstränge, die eingeschlagen werden, nicht zu empfehlen.

Vielmehr sollte man das Spiel in der Gruppe spielen und vorab verschiedene Rollen festlegen, sodass es beispielsweise einen Spieler für das Erstellen der Mind-Maps, eine Spielerin für Faktenchecks und einen Erzähler gibt. Aber das nur als Empfehlung.

Der Wiederspielwert geht bei Bestehen der Fälle leider quasi gegen Null. Wenn man die Zusammenhänge einmal zumindest grob überblickt hat, ist viel der Entdeckermagie verloren. Dafür erhält man einen spannenden interaktiven Kriminalroman. Allerdings ist es jederzeit möglich, das Spiel bedenkenlos zu verkaufen, da kein Spielmaterial zerstört, bemalt oder sonstwie unbespielbar gemacht wird. Im Laufe von 2019 soll mit „LA Crimes die erste Erweiterung folgen.

SPIELREIZ
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Chronicles of Crime

In meiner ersten Einschätzung über die Richtung der Fälle von Chronicles of Crime konnte ich nicht weiter daneben liegen, als ich es nach Betrachtung der Grafiken und Spielen des einigermaßen harmlosen Einstiegsfalls tat. Mord, Kindes-ent-führung, Erpressung und Organhandel sind nur einige der Themen, die in den unterschiedlichen Fällen thematisiert werden. Die einzelnen Story-Segmente werden in kurzen Textfeldern in der App wiedergegeben und sorgen für Kurzweil beim Vorlesen. Allerdings schaffte es das Spiel durch eben jenes nicht ganz stimmige Zusammenspiel von Grafik und der oftmals angewendeten textlichen „Härte“ nicht immer, dass ich mich in der Geschichte verlor. Das wird den klug durchdachten und anschaulich geschriebenen Geschichten leider nicht so gerecht, wie diese es verdient hätten.

Chronicles of Crime ist für einen bis vier Spieler gedacht, wobei es sich nicht erschließt, warum bei vier Spielern Schluss sein soll. Natürlich würde das Spiel durch mehr Diskussionen und durch mehr Augenpaare bei der Aktion „Nach Hinweisen suchen“ in die Länge gezogen.

Daher kann die Zahl Vier hier eigentlich nur eine Empfehlung sein. Generell kann ich mir Chronicles of Crime auch sehr gut als Solospiel vorstellen. Man erspart sich das Vorlesen der Texte und das Herumreichen der App, verzichtet allerdings auch auf die Gedankenspiele anderer Personen.

Ist ein Fall erst einmal abgeschlossen, ist er auch wirklich beendet und ein erneutes Spielen scheint wenig sinnvoll zu sein. Doch Chronicles of Crime bietet fortlaufend immer neue Szenarien zum (kostenpflichtigen) Download, auch einige Erweiterungen sind erhältlich oder in Arbeit. Zusätzlich wurde Anfang Februar der „Community Editor“ zum Download zur Verfügung gestellt, der es der äußerst aktiven Community ermöglicht, eigene Fälle zu schreiben und diese zur Verfügung zu stellen. Hier ist das Konzept mit den sehr allgemein gehaltenen Hinweisen, Personen et cetera voll aufgegangen und bietet einen hohen Anreiz, das Spiel immer wieder auf den Tisch zu holen.

Bei Detective wird viel miteinander geredet. Sehr viel. Und das ist auch das, was dem Spiel seinen Reiz gibt. Man tauscht Gedanken aus, hilft einander bei Denkblockaden und bespricht die nächsten Schritte. Das Spiel vermittelt einem dauerhaft das Gefühl, eine Gruppe zu sein, die sich gegenseitig braucht. Da jeder Spieler und jede Spielerin einen Charakter mit speziellen Fähigkeiten und Talenten spielt, ist es nicht unüblich, dass aus dem Nichts ein „Kann meine Fähigkeit hier nicht helfen?“ die Gruppe wieder auf die richtige Bahn bringt.

interaktion
detective
interaktion

Chronicles of Crime liefert viel Stoff für Diskussionen und Überlegungen in der Gruppe. Da aber immer nur eine Person das Gerät mit der App in Benutzung haben kann, muss man aufpassen, dass es nicht dazu kommt, dass der „App-Master“ zum Alleinunterhalter oder zum „Werkzeug“ der anderen Spieler wird. Wenn die Disziplin hierfür gegeben ist, entwickeln sich spannende Gespräche in der Gruppe wie fortgefahren werden muss.

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CHRONICLES OF CRIME

Das einzigartige Spielelement und das heimliche Herzstück von Detective ist die Antares-Datenbank. Das ist eine abrufbare Webseite, die der Spiel-gruppe nach Eingabe der Zugangsdaten Zugriff auf einen simulierten Polizeirechner gibt. Hier werden die Akten der Verdächtigen oder der Zeugen gesucht und gespeichert, man führt Vergleiche von Fingerabdrücken durch oder schaut sich Auf-zeichnungen alter Akten oder Verhöre an. Zu-sätzlich werden zu Beginn eines jeden neuen Kapitels mit einem kurzen Einleitungsvideo die Geschehnisse des vorangegangenen Falls noch einmal in Erinnerung gerufen.

Es macht sehr viel Spaß, die Akten und Daten in der Antares-Datenbank aufzuspüren und zu durch-leuchten. Leider wird der Spaß dadurch getrübt, dass die Datenbank eine ständige Verbindung mit dem Internet erfordert. Das sollte zwar bei Spielrunden kein Problem darstellen, an einem Samstagabend mit viel Internetnutzung der Nach-barn kann das System aber durchaus mal in die Knie gehen.

TECHNISCHE HILFSMITTEL
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Chronicles of Crime

Chronicles of Crime lebt von seiner App und dem Scannen von QR-Codes. Und Lucky Duck Games hat fähige Entwickler an die App gesetzt. Sie läuft flüssig, ist klar und verständlich strukturiert und hat in meiner Spielgruppe keine Abstürze oder andere Bugs erkennen lassen. Lediglich die Möglichkeit beim „Nach Hinweisen suchen“ andere Geräte an der Ansicht teilhaben zu lassen, hat nicht funktioniert, hier möchte ich eigenes menschliches Versagen aber nicht ausschließen. Das Scannen der QR-Codes ging schnell und bereitete selbst bei suboptimalen Lichtverhältnissen keine Probleme. Wenn man überhaupt irgendetwas bemängeln könnte, wäre es die manchmal etwas holprige Menüführung durch die Einstellungen. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau.

tipps
detective

Legt euch eine Mind-Map an. Die Verstrickungen des Spiels sind dermaßen vielfältig, dass man sehr schnell einzelne Verbindungen aus den Augen verliert. Kostenlose Mind-Map-Editoren wie draw.io sind eine große Hilfe. Wir hatten auch eine Excel-Liste mit allen Personen und deren Daten aus der Antares-Datenbank angelegt, um sie gebündelt untereinander stehen zu haben. Wer richtig „klotzen“ will, besorgt sich die Mini-Erweiterung mit 30 Charakter-Portraits. Hier liefert Portal Games 30 Karten mit allen in der Geschichte vorkommenden Personen und einer beschreibbaren Rückseite für Notizen.

Die angesprochene kleine Schwäche der App, dass nur der Halter des Smartphones wirklich Zugriff auf die Aussagen der Personen oder Beschreibungen der Ereignisse hat, konnte meine Spielgruppe gut kaschieren, indem wir den Bildschirm des Smartphones auf einem Fernseher gespiegelt haben. So konnten alle verfolgen, was geschieht.

tipps
Chronicles of Crime
letzte worte

Ich hoffe, euch wurde ein guter Überblick über die Attribute der beiden Duellanten an die Hand gegeben. Eine wirkliche Kaufempfehlung kann ich nicht aussprechen, da man bei beiden Spielen nichts falsch macht; lediglich persönliche Prä-ferenzen sollten hier den Ausschlag geben, wenn man sich nicht einfach beide zulegt.

Dennoch reden wir hier von einem Duell, daher nun meine Einschätzung zum jeweiligen Gewinner in den oben beschriebenen Kategorien

Finde heraus, welches Spiel im Brettspiel-Duell in den jeweiligen Kategorieren den Sieg errungen hat.
 Dafür klicke einfach die Fragezeichen an.

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